Text Bites #2 – Füllwörter: Die Chips-Tüte unter den Sprachgewohnheiten
Wie du Sätze schärfst, damit sie wieder schmecken.
Moin.
Willkommen zu Text Bites.
Der Schreib-Snack für zwischendurch – leicht, würzig und gut für die Stilfigur. Hier gibt es keine Romanlänge und auch keinen Grammatik-Marathon, sondern eine kompakte Portion Klartext, die du sofort verwerten kannst.
Ein Thema pro Ausgabe, ein praktischer Impuls, ein paar Beispiele und fertig ist der Snack.
Diese Woche auf dem Teller: Füllwörter. Die Chips-Tüte unter den Sprachgewohnheiten.
Wir schnappen uns die Sorte Wörter, die beim Schreiben so unscheinbar wirken wie Krümel auf dem Sofa. Man merkt erst, wie viele es sind, wenn man aufsteht.
Füllwörter schleichen sich in Sätze und tun so, als seien sie wichtig. In Wahrheit verbreiten sie nur Chaos im Text.
»Ich bin eigentlich irgendwie ganz zufrieden, aber vielleicht schreibe ich den Text später nochmal so ein bisschen um.«
Klingt wie ein Luftballon, dem langsam die Puste ausgeht. Und genau deshalb widmen wir uns heute dieser knisternden Kleinigkeit, die Texte weichspült, ohne irgendwas besser zu machen.
Zeit für ein bisschen Klarheit im Satz.
Der Kern
Füllwörter sind die sprachlichen Polster, die wir unbewusst überall hinklemmen. Kleine Wortkrümel wie »eigentlich«, »irgendwie«, »ziemlich«, »eventuell«, »halt«. Sie fühlen sich beim Schreiben nett an, weil sie alles weichzeichnen und uns ein bisschen absichern. In Wahrheit verwässern sie nur den Satz. Die Aussage verliert Kraft, das Statement verschwimmt und plötzlich klingt jeder Gedanke wie ein vorsichtiges »Vielleicht. Eventuell. Mal sehen.«
Das passiert oft, wenn wir freundlich klingen wollen oder Angst haben, zu direkt zu wirken. Ironischerweise entsteht genau dadurch ein Text, der weniger klar ist, weniger mutig und weniger einladend.
Präzision entsteht, wenn du den überflüssigen Ballast abwirfst. Jedes Wort soll etwas tun: erklären, zuspitzen, führen. Füllwörter tun nichts davon. Sobald du sie entfernst, steht der Gedanke wieder aufrecht.
Formel: Satz lesen → Füllstoff erkennen → streichen → Aussage stärken.
Simpel, aber wirkungsvoll.
3 Beispiele aus der Praxis
Damit du siehst, wie schnell Füllwörter die Energie aus einem Satz ziehen, hier drei Beispiele, die du so garantiert schon mal selbst geschrieben hast. Oder nachts in deinen Drafts versteckt hast.
Nummer 1
Vorher:
»Ich wollte dir eigentlich nur mal kurz sagen, dass ich vielleicht später irgendwie noch an dem Konzept weiterarbeite.«
Nachher:
»Ich arbeite später am Konzept weiter und gebe dir Bescheid, sobald ich fertig bin.«
Warum das besser ist:
Der Ursprungssatz ist ein Paradebeispiel für Unsicherheit auf Papier. Ein ganzer Haufen Wattewörter, die den Kern des Satzes so zudecken, dass am Ende nichts mehr übrig bleibt. Die neue Version sagt einfach, was Sache ist. Klare Erwartung, klare Handlung. Kein Rumgeeier.
Nummer 2
Vorher:
»Das Meeting war irgendwie ziemlich chaotisch und ich war halt ein bisschen überfordert.«
Nachher:
»Das Meeting war chaotisch und ich war überfordert.«
Warum das besser ist:
Im ersten Satz versucht jemand, die eigene Wahrnehmung abzupolstern, damit sie weniger hart klingt. Ergebnis: ein Satz, der wie ein nervöses Schulreferat wirkt. Die Klartext-Version ist ehrlich und deutlich. Nicht härter, nur klarer. Jedes überflüssige Wort wegzulassen, stärkt den Standpunkt.
Nummer 3
Vorher:
»Ich glaube, das könnte eventuell ganz gut funktionieren, wenn wir vielleicht ein bisschen früher anfangen.«
Nachher:
»Das funktioniert besser, wenn wir früher anfangen.«
Warum das besser ist:
Der Ursprungssatz klingt, als wolle niemand die Verantwortung übernehmen. Zehn vorsichtige Türen stehen offen, aber niemand geht durch. In der Klartext-Version gibt es eine klare Aussage und eine klare Bedingung. Keine Unsicherheit, kein Versteckspiel. Nur der Punkt.
Mini-Trick
Wenn du einen Satz schreibst und merkst, dass er sich weich anfühlt wie überreifer Pfirsich, stell dir eine einzige Frage: »Welches Wort hier macht meinen Satz schwächer statt stärker?«
Sobald du das denkst, springen dir die Füllwörter von allein entgegen. Dein Gehirn erkennt sofort, welche Wörter nur aus Gewohnheit da sitzen. Streiche sie probeweise raus und lies den Satz erneut.
Bonus: Lies ihn laut. Füllwörter hört man sofort. Der Satz verliert Rhythmus, klingt unsicher oder blubbert einfach so vor sich hin. Ohne den Füllstoff wirkt er klarer, direkter und erwachsener.
Take Away
Füllwörter sind wie sprachliche Luftpolsterfolie. Sie geben kurz ein Gefühl von Sicherheit, aber sie dämpfen alles, was eigentlich klar klingen soll. Sie verwässern Aussagen, bremsen den Rhythmus und machen Texte vorsichtiger, als sie sein müssten. Sobald du den überflüssigen Ballast streichst, zeigt sich der Gedanke wieder in voller Schärfe. Deine Sätze bekommen Biss, deine Stimme gewinnt Kontur und der Leser bleibt dran, weil endlich etwas gesagt wird.
TELL ME: Welches ist für dich das Füllwort aus der Hölle?
💡 Du bist neu auf Substack und weißt manchmal nicht, wo oben und unten ist?
Kriegen wir hin! Im Substack-Starterkit zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du deinen Newsletter aufbaust, schreibst und wachsen lässt. Klar, praxisnah und ohne Technikstress. Von null auf Newsletter in einem Wochenende.
By the way: Wenn du meine Arbeit unterstützen möchtest, ist ein Upgrade auf Paid der fairste Move — damit bekommst du alle Deep Dives und zusätzliche Inhalte.




Hej Nina, herrlich! Das Bild der Krümelwörter zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht. Mein Höllenwort ist "eigentlich". Streicht man es aus dem Satz, ob geschrieben oder gesprochen, bekommt der Satz viel mehr Wums.
Mein "Füllwort aus der Hölle" habe ich mir angewöhnt, seit ich ein Kind habe: "schnell".
Wie in: "Ich mache das noch schnell fertig, und dann..."
Dabei hieße es einfach "Ich mache das noch fertig" (und erlaube mir, die Zeit dafür zu nehmen, die es braucht).
Ich schreibe es zwar nicht, sondern spreche es aus, aber das fällt für mich in die gleiche Kategorie.
Ich finde es sehr spannend, anzusehen, wie wir unsere Botschaft verwässern und uns auf diese Art kleiner machen, um uns nicht wirklich zu zeigen und nicht anzuecken, etc.