Buildlog 006 – Kambodscha, Kurskorrektur und künstliche Geschichten
Alles neu macht der Februar
Moin.
Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich den Februar hasse?
Also zumindest in unseren Breitengraden. Angefangen hat das 2016, als ich Anfang Februar zurück nach Berlin kam. Nachdem ich ein halbes Jahr in Spanien war, Sonne getankt und die Lebensart verinnerlicht hatte, fiel mein Gemütszustand erstmal in ein Loch. Tagelang grauer Himmel, Eisregen und schlecht gelaunte Leute. Die Berliner hier wissen genau, was ich meine. Aus Frust habe ich damals dann mein Gewerbe angemeldet und mich in eigene Projekte gestürzt. Aber das ist eine andere Story.
Jedenfalls ist Februar seitdem bei mir Reisemonat. Dann hole ich den Backpack aus dem Keller und verabschiede mich eine Weile vom Laptop in Richtung Sonne.
Diesmal war ich da, wo der Pfeffer wächst. Es gab sogar eine Verkostung. Kein Scherz. Ich habe mir auch einiges davon mitgebracht, denn in Kampot wächst eine der besten Pfeffersorten der Welt, da kann ich als Köchin nicht widerstehen.
Die Story dazu teile ich demnächst bei Tschau!, dort soll in Zukunft auch wieder mehr los sein.
Achso, ja – ich war in Kambodscha. Und während ich durch die Ruinen von Angkor spazierte und mich in Battambangs Seitenstraßen durch die Garküchen futterte, formten sich langsam die chaotischen Gedanken und Ideen rund um meinen Newsletter zu einem greifbaren Bild. Nicht als großer Aha-Moment, mehr wie ein Polaroid, das langsam erkennbarer wird.
Ich schreibe darüber hier im Buildlog, weil es eine echte Kurskorrektur ist, die ich mit euch teilen will.
Also:
Willkommen auf der Baustelle. Willkommen im Buildlog.
Ich baue gerade ein Solo-Business mit Texten als Fundament und dokumentiere meine Reise im Buildlog öffentlich – das Gute, das Chaotische und den ganzen Rest. In diesem Format schreibe ich darüber, was gerade passiert, was ich lerne und wo ich noch keine Ahnung habe.
Wenn du neu hier bist, fang am besten beim ersten Teil an:
Alle Buildlogs gebündelt findest du immer direkt über diesen Link.
Was sich gerade in meinem Kopf dreht
Das liebe ich so am Reisen – wochenlang neue Perspektiven, andere Einblicke und die im Alltag eingeschlafene Spontanität erwacht wieder. So formt sich das Chaos im Kopf wie von allein.
Was ändert sich nun also für mich und meinen Newsletter? Dafür muss ich etwas zurückspulen.
In letzter Zeit gab es auf Substack immer häufiger Diskussionen zu einem Thema: Was ist noch echter Content, was ist KI und ab wann ist jemand kein richtiger Autor mehr? Ich habe meinen Subscribern die Frage zur Autorenschaft auch schon gestellt und mich bereits vorher in einem meiner ersten Newsletter dazu positioniert:
Ich glaube, zwischen dem Label Autorin und KI-Creator entscheidet die Liebe zum Prozess.
Meinen gesamten (hungrigen) Blick auf das Thema findest du hier:
LinkedIn hat diese Party schon vor 2-3 Jahren gefeiert und dabei kräftig die Fenster eingeschmissen. Gefühlt gibt es dort beim KI-Thema nur schwarz und weiß und jede gegenteilige Meinung wird verbal bekämpft. Auf Substack bleiben wir davon hoffentlich verschont.
Mein eigenes Statement zu KI ist simpel. Ich bin weder Fangirl noch Anti. Es ist ein Werkzeug. Ich nutze es, behalte aber das Steuer. Und was mich sowieso mehr interessiert, ist eine ganz andere Frage: Was macht einen Text eigentlich lesenswert? Für mich ist die Antwort klar:
Kommt der Text auch als Emotion bei mir an, und ist das, was ich lese, wahr?
Die Sache mit dem Rezept
Als Köchin war für mich das Handwerk und die Liebe zum Detail immer der Schlüssel zu einem hervorragenden Ergebnis. Und so ist es doch auch bei Schreiben. Schwere Kost, die nach Fachthemen schmeckt, hinterlässt durch fein abgestimmte Geschichten, gewürzt mit Kreativität einen Text mit feinem Nachgeschmack, der lange in Erinnerung bleibt.
Die Pizza vom Lieblingsitaliener kann nie von der Tiefkühlware geschlagen werden. Und eine echte Geschichte, geschrieben von einem Menschen, berührt auf andere Weise als ein Text aus der Maschine.
Ich glaube, mit dem richtigen Rezept kann jeder etwas leckeres kochen.
KI kann dir zwar erklären, wie Pfeffer schmeckt. Aber sie kann dir nicht das Kribbeln beschreiben, das sich in der Nase ausbreitet, wenn du bei einer Verkostung in Kambodscha eine Sorte zu viel probiert hast und dir nicht sicher bist, ob du gleich niesen oder weinen musst.
Genau das ist der Unterschied.
Versuch doch mal, eine Story, die du erlebt hast, anschließend von einem Sprachmodell schreiben zu lassen. Das Ergebnis klingt fremd und fühlt sich weirdan. Und damit verschenkst du dein stärkstes Alleinstellungsmerkmal: deine einzigartige Sicht auf die Welt.
Wenn es dir hilft, lass deine Texte von Claude schreiben, lass dich bei der Recherche von Gemini unterstützen und diskutiere Fragen mit ChatGPT. Alles fein, alles nützlich. Wenn du aber echte Geschichten aus deinem Alltag in deinen Texten erzählst, schreib sie selbst. Mit deinem Blick, mit deinen Worten. Das macht einen riesigen Unterschied.
Was das für diesen Newsletter bedeutet
Jetzt kennst du meinen Standpunkt. Was hat das aber mit meinem Newsletter zu tun und was bringt dir das?
Es ist so…
Viele Texter-Kollegen haben in den letzten Jahren ihre Nische in Richtung KI verschoben, sind Trends hinterhergejagt und auf neue Züge gesprungen. Mir hingegen liegt das Handwerk näher als der Hype.
Menschen lieben Storys. Wer sie gut erzählen kann, dem kleben die Zuhörer an den Lippen. Das war schon so, als wir noch ums Lagerfeuer saßen und Säbelzahntigerfleisch grillten. Seitdem hat sich fast alles geändert. Der Hunger nach Geschichten nicht.
Es gibt so viele Menschen mit echtem, wertvollem Wissen, das nie diejenigen erreicht, die es gebrauchen könnten. Nicht weil es nicht relevant ist, sondern weil ihnen das Handwerkszeug fehlt, um es greifbar zu machen und nach draußen zu tragen.
Genau das wird hier künftig mehr Raum bekommen. Nicht nur meine Geschichten, sondern die Frage, wie du als Expertin oder Creator deine Themen greifbar machst, aufbereitest und so erzählst, dass sie ankommen und im Gedächtnis bleiben.
Es wird bei mir immer noch um Texthandwerk und um Hands-On-Tipps für Substack gehen. Was ich euch serviere, wird aber künftig öfter mit meinem Lieblingsgewürz abgeschmeckt sein: Storytelling für Non-Fiction.
Weitere Updates von der Baustelle
Seit dem letzten Buildlog im Januar ist nicht sehr viel passiert. Durch den anstehenden Urlaub war ich vor allem damit beschäftigt, Posts und Notes vorzubereiten, um mir die Reisezeit arbeitsfrei zu halten, ohne hier die Maschinen abzustellen.
Generell kommen große Änderungen seltener als noch zu Beginn meines Substack-Reise. Ich fühle mich angekommen und habe meine inhaltliche Richtung gefunden. Dennoch habe ich zwei Dinge angeschoben:
Profil und Texte: Mit dem neuen Fokus auf Storytelling habe ich in den letzten Tagen auch meinen Bio-Text in diese Richtung verschoben und auch andere Texte angepasst, darunter die About-Seite und die Willkommensmails für neue Subscriber.
Die Werkzeugkiste: Für Paid Subscriber habe ich im Januar eine Idee umgesetzt, die ich schon länger mit mir herumgetragen habe – die Werkzeugkiste. Ein zentraler Ort mit allem, was ich für wirklich nützlich halte: Eigene KI-Prompts speziell für Substack und deine Textarbeit, Copywriting-Frameworks, sortierte Newsletter und Ressourcen, die ich selbst nutze. Kein Suchen, kein Scrollen durch alte Posts. Einfach reingehen und loslegen. Die Werkzeugkiste ist das Fundament der bezahlten Mitgliedschaft und wächst mit jedem Monat weiter.
Das war’s erstmal für diese Ausgabe. Hier noch meine aktuellen Substack-Zahlen fürs Protokoll. Erfasst am 13.3. um 8:20 Uhr:
Tage auf Substack, ab dem ersten Newsletter: 239
Aktuelle Zahl der Follower: 2130
Aktuelle Zahl der Newsletter-Abonnenten: 1.723
Davon bezahlte Abos: 5 (¡muchas gracias!)
Bisher veröffentlichte Posts: 34
Bisher geteilte Notes: 480
Einige der Zahlen und weitere Einblicke habe ich übrigens aus dem Tool Substack Control Center. Eine schöne Spielerei für Zahlen-Nerds. Falls du auch dazu gehörst, schau’s dir mal an.
Eine Sache noch, bevor du gehst
Seit dem letzten Buildlog sind wieder viele neue Leser hinzugekommen. Auch wenn ich meinen Fokus mehr zu Storytelling verschiebe, gibt es hier noch Platz für andere Themen zum Schreibhandwerk und Substack. Und damit hier jeder etwas für sich mitnehmen kann, werde ich regelmäßig wieder diese Frage stellen:
Welche Themen interessieren DICH besonders, was möchtest du in Zukunft hier lesen?
Klicke hier in der Umfrage einfach das an, was dich besonders interessiert oder schreib gern auch ein paar Zeilen in die Kommentare.








« Ich glaube, zwischen dem Label Autorin und KI-Creator entscheidet die Liebe zum Prozess. » Genau das ist es! Selbst wenn ich mit dem Ergebnis vielleicht zunächst nicht zufrieden bin, ist der Weg dorthin ein Vergnügen, wie eine anstrengende Bergwanderung. Und dabei lerne ich auch noch. Wort für Wort.
Liebe Nina, ich bin erst seit ein paar Tagen hier unterwegs und bin mit deinem Starter-Kit „all in“ gegangen. Das war eine hervorragende Idee und ich kann es wärmstens empfehlen. 👍
Zu deiner Umfrage: ich finde es toll, deine Reise hier mitzuerleben. Dein Buildlog bringt mich indirekt mit guten Fragen in Kontakt und hilft mir meine Mission und Positionierung hier zu reflektieren. Mittelfristig bin ich auf jeden Fall an Storytelling interessiert. So oder so: vielen Dank an dich!
PS: wie waren Deine Pommes? 😜